Was passiert, wenn du plötzlich gar nicht mehr arbeiten kannst?

Du stehst morgens auf und alles läuft wie immer – Kaffee, Kalender, Alltag. Doch dann, ein Unfall, eine Diagnose oder es geht einfach gar nichts mehr.

Nicht für eine Woche, nicht für zwei, sondern so richtig.

In solchen Momenten merkt man dann oft, wie schnell aus „wird schon wieder“ ein „was jetzt?“ wird.

Die Frage ist dann nicht nur: Wie komme ich da wieder raus?

Sondern auch: Wer zahlt meine Miete, wenn ich nicht mehr arbeiten kann?

💡Was bedeutet die Berufsunfähigkeit überhaupt?

Berufsunfähig zu sein bedeutet nicht, dass man gar nichts mehr kann. Es bedeutet: Du kannst deinen zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50% dauerhaft nicht mehr ausüben. Und zwar nicht nur heute, sondern auch morgen, übermorgen und vermutlich noch lange danach.

Es spielt dabei keine Rolle, ob du am Schreibtisch sitzt oder körperlich arbeitest. Viele unterschätzen dabei, dass es bei einer Berufsunfähigkeit nicht nur um Unfälle geht. In Wirklichkeit führen die meisten Berufsunfähigkeiten auf psychische Erkrankungen. Krebserkrankungen und Rückenleiden zurück.

💬 Was eine Berufsunfähigkeitsversicherung macht und was nicht

Sie macht nicht gesund und bringt dich auch nicht zurück in deinen Job, aber sie sogt dafür, dass du währenddessen finanziell nicht untergehst.

Du bekommst eine monatliche Rente, die du im Beratungsgespräch festlegst. Kein Glücksspiel, kein „vielleicht“, sondern eine klar definierte Leistung, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Die wichtigste dieser Voraussetzungen ist eben: dauerhafte Berufsunfähigkeit von mindestens 50%.

📕 Kleiner rechtlicher Input

Nun gut, tauchen wir kurz ab in den Paragraphenteich, aber keine Sorge, ich bleibe an der Oberfläche. 😉

Berufsunfähigkeit ist rechtlich gesehen nicht einfach „krank sein“, sondern bedeutet, dass du deinen Beruf, so wie du ihn zuletzt konkret ausgeübt hast, zu mindestens 50% (auf Dauer) nicht mehr ausüben kannst.

Was zählt?

  • Deine berufliche Tätigkeit vor dem Unfall oder der Erkrankung, nicht irgendein anderer Job
  • Die Einschränkung muss nachvollziehbar und dauerhaft sein
  • Eine „abstrakte Verweisung“, also ein „mach doch was anderes“, ist bei modernen Verträgen nicht vorgesehen (ABER: checkt immer nochmal eure Verträge oder fragt euren Ansprechpartner)

Versicherer dürfen regelmäßig prüfen, ob du wirklich noch berufsunfähig bist, aber nicht einfach so, sondern mit klaren Regeln und Belegen. Du musst nicht dauerhaft nachweisen, dass du schlecht schläfst, aber es muss medizinisch nachvollziehbar sein.

❓3 typische Fragen

  1. Ich habe doch die Erwerbsminderungsrente oder nicht? Klar, aber viele denken, sie wäre vergleichbar mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Es wird nicht geschaut, ob du deinen Beruf noch ausüben kannst, sondern ob du überhaupt noch irgendeine Tätigkeit ausüben kannst – unabhängig von Qualifikationen oder Einkommen. Das ganze richtet sich nach der sogenannten 3- und 6- Stunden- Regel: Weniger als drei Stunden pro Tag arbeitsfähig -> volle Erwerbsminderungsrente, drei bis sechs Stunden arbeitsfähig -> halbe Rente, mehr als sechs Stunden täglich arbeitsfähig (in irgendeinem Job) -> kein Anspruch. Und: Die Höhe der staatlichen Rente liegt oft deutlich unter dem gewohnten Einkommen, meist auf Grundsicherungsniveau.
  2. Ich bin gesund, brauche ich das jetzt überhaupt schon? Gerade dann, denn eine Berufsunfähigkeit abzuschließen ist wie einen Schirm kaufen: Am besten, bevor es regnet. Je jünger und fitter du bist, desto günstiger und unkomplizierter bekommst du den Schutz.
  3. Was passiert, wenn ich später in einen anderen Job gehe? Kein Problem. Die meistens Tarife sichern dich so ab, wie du zum Zeitpunkt des Abschlusses gearbeitet hast. Wechselst du später von der Physiopraxis ins Büro, bleibst du trotzdem abgesichert. Es besteht keine Nachmeldepflicht, aber auch hier ist es wichtig die Bedingungen eurer Versicherung zu checken.

🔜 Vorschau auf den nächsten Artikel:

„Bin ich eigentlich gegen alles versichert – oder gegen gar nichts?“

Warum man oft denkt, man sei bestens abgesichert und dann im Schadensfall merkt, dass doch niemand zuständig ist.

Im nächsten Artikel geht es darum, warum das Gefühl „wird schon passen“ bei Versicherungen manchmal trügerisch ist, welche typischen Missverständnisse es bei Hausrat, Haftpflicht, BU & Co. gibt und wie du mit ein paar Grundregeln den Überblick behältst, ohne die Bedingungen studieren zu müssen.

Bis dahin ☀️

Deine Franziska